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18. April 2006

 

Wenn ich unterwegs bin, fühle ich mich möglicherweise am wohlsten.
Ich erinnere mich an viele Reisen. Es gab unzählige Autofahrten aus privaten und beruflichen Anlässen, die zwischen 8 und 12 Stunden Fahrzeit dauerten. Ich kann mich an eine der (regelmäßigen)Fahrten nach Aschersleben erinnern, bei der ich bei der Hinreise 8 Stunden Pink Floyd gehört habe und bei der Rückreise 8 Stunden Miles Davis. Die Arbeitsaufenthalte in der DDR in den Achzigerjahren habe ich genossen. Da habe ich mich allein wohlgefühlt.
Alleinsein hat mir nichts ausgemacht in Frankreich, England, Singapore, Hongkong. Alleinsein habe ich nicht ausgehalten in Russland, Polen, Kufstein. Alleinsein war herrlich in Japan und Taiwan. Ich möchte in den USA nicht allein sein.
Alleinsein habe ich als Verschwendung gesehen, wenn immer ich in Luxushotels untergebracht war, für die die Firma bezahlt hatte. Eine oder zwei Personen hätte keinen Unterschied im Preis gemacht. Doch die geliebten Frauen, die ich gerne dabei gehabt hätte, hatten keine Zeit oder keine Lust.
Wenn ich nach Hause kam, hatte ich keine Zeit in Depression zu fallen, weil die Arbeit mich überschüttete. Nach einer Woche stand meistens schon der nächste Reisetermin an, oder es wirkte zumindest so.
in den letzten Jahren habe ich festgestellt ,dass mir Asien abgeht. Dort empfand ich den Gegensatz zwischen Gehetztsein und Besinnung als eigene Qualität. Asien geht mir ab.
Im Ausland ist es nicht so sehr das Schauen sondern das Hören und Lesen. Ich versuche die Sprache zu absorbieren. Was steht geschrieben? Wie klingt die Sprache für mich. Jede U-Bahn-Fahrt wird zu einer Lesestunde. Kann ich mir die Schriftzeichen merken? Wenigstens eines? Kann ich mir eine richtige Aussprache angewöhnen. In Moskau war ich in den Satz verliebt: "Achtung, die Türen schließen sich. Die nächste Station ist ... (welche immer auch)!" Diesen Satz kann ich auch heute noch. So grob manche Phrasen im Russischen klingen, wenn es da von Nein, Verboten und Geschlossen wimmelt, so kommt diese Türmeldung jedesmal wie eine Verführung heraus.
Reisen sind für mich der leichte Abschied.
Ich habe früher regelmäßig vor einer Reise aufgeräumt. Das war nicht immer einfach. Vor Reisen gab es eine Art Osterputz mit Bezahlung aller noch offenen Rechnungen, Erledigung aller offenen Arbeiten, zumindest eine niedergeschriebene Delegation. An Vorabreisetagen war ich am effizientesten.
Auf den Reisen fühlte ich mich frei. Vielleicht war es nur das gute Gewissen.

Wenn ich auf Reisen war, war ich in der Regel abgeschnitten. Das Telefon war zu teuer oder sogar unmöglich. Das war romantisch.

Ich bin sentimental und romantisch. Reisen ist romantisch. Wenn ich unterwegs bin, fühle ich mich möglicherweise am wohlsten.

 

 

 

 
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